Schloss Haiding einst und jetzt

Schloss Haiding einst und jetzt

Schloss Haiding

Konsulent Ing. Alfred Herrmüller hat uns den folgenden Artikel zur Verfügung gestellt anlass der Wanderung zum Ursprung der Geltinger am 26.10.202 – >> einen Bericht dazu findet ihr hier.

Zum Bild oben: Eine Ansicht des Schlosses Haiding aus der Zeit um 1670 zeigt der Kupferstich des Kartographen Georg Matthäus Vischer (aus der „Topographia Austriae Superioris Modernae“  mit Ansichten von Burgen, Schlössern, Städten und Klöstern Oberösterreichs).

Schloss Haiding

Eine befestigte Anlage muss schon viel früher in Haiding gestanden sein. Nach deren Eroberung durch Graf Heinrich von Schaunberg verlangte dieser vom Besitzer des Sitzes Haiding, das Schloss nicht mehr zu befestigen. Dietrich der Geltinger ging 1340 mit einem Verzichtsbrief, in dem es heißt „gesaß Haiting wieder sew nymermer gepawn sullen mit kainerley sachen“, gegenüber Graf Heinrich diese Verpflichtung ein. An diesen Satz, vom Krenglbacher Volksschullehrer Rudolf Schrempf im Heimatkundeunterricht vorgetragen, können sich vielleicht noch manche Schüler erinnern. Schrempf ließ die Kinder versuchen, den Text in die hochdeutsche Sprache zu übersetzen.

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Im 16. Jahrhundert zeichnete sich der Niedergang von Haiding unter den Geltingern ab. Es gab auch keine urkundlichen Nennungen über Schloss Haiding in dieser Zeit. Dieses Rätsel konnte erst vor wenigen Jahren der Historiker und Obmann des Welser Musealvereines, Hofrat Dr. Walter Aspernig, lösen. Er fand nach intensiven Forschungen heraus, dass im Jahr 1532 ein Ulrich von Miltenberg Besitzer von Sitz und Herrschaft Haiding war. Nach dem Kauf von den Geltingern änderte er den Namen des Herrschaftssitzes Haiding in „Miltenberg“, nach seiner Heimatstadt am unteren Main. Erst durch den Kauf von Christoph Strutz 1589 bürgerte sich der Name Haiding wieder ein. Die Besitzer wechselten in den folgenden Jahren mehrmals. Christoph Strutz ließ sich in der Gruft der damals unter der Obrigkeit Haidings befindlichen Jakobskirche in Unterirrach (Pichl) 1606 beisetzen.

Haiding wurde durch Kauf mit den Herrschaften Schmiding und Etzelsdorf vereint. Nach Aufhebung der Grundherrschaft im Jahr 1848 war Haiding noch etwa 30 Jahre lang ein von der Familie Batthyany-Strattmann geführtes landwirtschaftliches Gut und wurde schließlich an bürgerliche Besitzer verkauft. Der Grundbesitz, der im Jahr 1835 mit 92 Joch ausgewiesen war, verminderte sich durch Verkäufe stark. Das Schlossgebäude diente Wohnzwecken für mehrere Mietparteien und als Nebengebäude des bewirtschafteten Mairhofes.

Besseren Zeiten ging das Schloss Haiding wieder entgegen, als es Friedrich Achleitner, Sohn von der benachbarten „Schmiede zu Haiding“, im Jahr 1966 erwarb. Achleitner gründete nach kleinen Anfängen mit unermüdlichem Einsatz ein Bauunternehmen. In den folgenden Jahren renovierte die Familie Achleitner nach und nach das Schloss. Auch Krenglbacher Vereine halfen mit und hatten dafür Gelegenheit zur Abhaltung verschiedener Veranstaltungen.

Der kunstsinnige Schlossbesitzer und seine Frau Theresia öffneten das Schloss für ganz Neues.

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Die „Aktion Haiding 70“ sorgte 1970 für große Aufmerksamkeit bei den Interessierten für Literatur, Musik und darstellende Kunst zumindest in Oberösterreich, aber auch über die Grenzen hinaus. Die Sommer-Kulturaktivitäten dieser Zeit konzentrierten sich auf die bekannten Veranstaltungsorte wie Linz, Bad Ischl, Gmunden, Grein, St. Wolfgang usw., dazu gesellte sich nun das unbekannte Schloss Haiding.

„Ein Bauunternehmer und ein Universitätsprofessor opfern 30.000 Schilling und dazu Freizeit und Nervenkraft, ein Lehrer verzichtet auf geruhsame Ferientage: Drei Männer investieren eine große Portion Idealismus in ein Unternehmen, das sich „Aktion Haiding 70“ nennt.“ Diese und ähnliche Schlagzeilen waren auf den Kulturseiten der oberösterreichischen Zeitungen zu lesen.

Das Engagement der drei Gründer der „Aktion Haiding 70“, Bauunternehmer und Schlossbesitzer Konsulent Friedrich Achleitner, Schriftsteller Univ.-Prof. Dr. Alois Brandstetter und der Lehrer und spätere Direktor der Volksschule Krenglbach, Konsulent SR Rudolf Schrempf, fand in den Medien ein großes Echo: Ihr Werk war keine Eintagsfliege, es war auch nicht vergleichbar mit anderen „Kulturtagen“, die sich nach und nach in den Gemeinden etablierten.

Der Journalist, Publizist und Autor Dr. Peter Kraft schrieb 1971 für die Kulturredaktion der Oberösterreichischen Nachrichten:

„Abend mit Gästen auf obderennsischem Schloß“ – Erfreuliche Privatinitiative begründete die „Aktion Haiding 70“ als kulturelles Zentrum. Das wird sich Friedrich Achleitner, der unbestechliche Architekturkritiker und Avantgarde-Texter aus dem Innviertel, nicht träumen lassen: dass er nämlich bei totaler Namens- und weitgehender Berufsgleichheit einen Doppelgänger hat, der ihm an obderennsischer Originalität in nichts nachsteht. Baumeister Friedrich Achleitner erwarb vor kurzem das schon weitgehend verfallene Schloß Haiding bei Wels, sanierte es souverän auf eigene Faust und machte es sogleich zum Zentrum zukünftiger kultureller Begegnungen. Mit gleichgesinnten Freunden gründete er eine „Aktion Haiding 70“, die am Mittwoch mit einer Autorenlesung des aus der nächsten landschaftlichen Nähe stammenden Germanisten Dr. Alois Brandstetter in ihre erste, vorbildlich gut besuchte Veranstaltungsrunde ging. (…)bleibt noch zu melden, dass dem gastfreundlichen Baumeister Friedrich Achleitner auch ein tüchtiger Heimatforscher namens Rudolf Schrempf mit Publikationen zur lokalen Chronik und aufschlußreichen Untersuchungen, etwa über den Krypto-Protestantismus dieser Gegend zur Zeit der Gegenreformation, ein Eingeweihter alter Dorf- und Schloßbegebenheiten also, zur Seite steht“.

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Im Bild v.l.:Schrempf, Moser, Achleitner

Das Konzept sah pro Jahr zumindest eine Ausstellung, einen Konzertabend sowie einen literarischen Abend vor. Die Liste der mitwirkenden Autoren, Künstler und Musiker liest sich wie ein Verzeichnis der in dieser Zeit bekannten und erfolgreichen Künstler.

Die Schriftsteller Alois Brandstetter, Wolfgang A. Teuschl („Jesus und seine Hawara“), H.C. Artmann, Peter Rosei, Gertrud Fussenegger, Franz Rieger, Gottfried Glechner, Hans Dieter Mairinger waren zu Gast, Sigi Strasser, Herbert Breiter (Lithograph), Irma Rafaela Toledo, Manfred Deix, Franz Fischbacher, Peter Huemer, Prof. Alois Dorn, Leo Gerger, Josef Nemeth, Johannes Schreiber, Ulrich Auinger, Sebastian Peil, Hermann Schweigl (Gedenkausstellung) stellten ihre Werke in der Galerie aus und Prof. Erik Werba (Klavier), Leopold Spitzer (Sänger), Streichquartett SUEVIA aus Stuttgart, London-Baroque-Ensemble, Hans-Sachs-Chor, Capella Ovilava, Wiener Bläserensemble (Mitglieder d. Wiener Philharmoniker), Shamrock-Folk-Duo, Elizabeth Liedauer u.a. traten bei den sommerlichen Abendkonzerten auf.

Dubelowski-Gelhorn führte mit dem Marionetten-Theater das “Apostelspiel“ von Max Mell auf, mit der Hausruckviertler Bauernmöbelausstellung 1972 stand das Schloss Haiding im Blickpunkt der Volkskunstexperten: der legendäre Bauernmöbelforscher SR Rudolf Moser aus Gunskirchen präsentierte bei dieser Ausstellung seine neuesten Forschungsergebnisse. Er fand nach intensiver Forschung die bis dahin nicht bekannte Tischlerwerkstätte, in der die hoch geschätzten „Gunskirchner Möbel“ erzeugt worden sind. Es war kein Gunskirchner Tischler, seine Werkstatt stand in Offenhausen! (Im Bild v.l.:Schrempf, Moser, Achleitner).

Der kritische Linzer Kulturjournalist Josef Laßl berichtete 1972 über eine Haidinger Besonderheit: „Die Veranstalter dürfen zufrieden sein. Aktion Haiding hat sich herumgesprochen; sie ist fester Besitz des oberösterreichischen Kulturlebens geworden(…). Zu Aktion Haiding gehört aber immer die prompte Nachfeier im Schlößl-Keller bei Bier, Wein, Schnaps und Kerzenschein. Man muß die späten und später werdenden Stunden im dunklen Gewölbe schätzen. Da fühlt sich der Hausherr, der das Gewölbe restaurierend baumeisterte, als freizügiger Gastgeber in seinem Element“.

Auch Franz Schwabeneder sinnierte in seiner Rubrik der OÖN „Habe die Ehre“ 1974 über Haiding: “Im mächtigen vom Kerzenschein erhellten Kellergewölbe des Schlosses Haiding sitze ich mit dem Hausherrn beisammen. Die Gäste drängen sich um die Tische, das Bier schäumt, der Dichter Alois Brandstetter liest aus seinem neuen Roman. (…) Nach jeder kulturellen Veranstaltung folgt regelmäßig der gemütliche Teil, bei dem sich Lehrer und Studenten, Bauern, Schauspieler, Handwerker, Poeten und bildende Künstler plaudernd und trinkend begegnen“.

Am 31. August 1995 jubilierte die „Aktion Haiding 70“. Bereits 25 Jahre wird im Schloss Haiding Kultur in vielen Facetten betrieben. Dazu kamen der Namensvetter des Schlossbesitzers, Prof. Friedrich Achleitner, Dr. Alois Brandstetter, Dr. Gertrud Fussenegger und Landeshauptmann Dr. Pühringer. Der Landeshauptmann kam nicht mit leeren Taschen. Als Höhepunkt des Abends überreichte er Baumeister Friedrich Achleitner die Kulturmedaille des Landes OÖ.

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Im Bild v.l.: Achleitner, Pühringer, Fussenegger, Achleitner, Brandstetter

9.September 2006 im Schloss Haiding: mit einer Lesung und der Ausstellung mit Einblicken in das vielfältige Kulturgeschehen der vergangenen Jahrzehnte gedachte der „dritte im Bunde“ Alois Brandstetter gemeinsam mit der Familie Achleitner den verstorbenen Mitgründern der „Aktion Haiding 70“, Friedrich Achleitner und Rudolf Schrempf.

Quellen:

Angelika und Walter Aspernig, Schlossgeschichte(n),Region Wels-Hausruck, Musealverein, 2010.(Miltenberg, Foto)
Rudolf Schrempf, Heimatbriefe 70/71 – Aktion HAIDING 70, Krenglbach,1971
Alfred Herrmüller, Privatarchiv

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